M’era Luna: Die schwarze Familie feiert in Hildesheim (Flughafen Hildesheim-Drispenstedt)

M’era Luna: Die schwarze Familie feiert in Hildesheim (Flughafen Hildesheim-Drispenstedt)

Hildesheim. Ein Vierteljahrhundert M’era Luna – und die schwarze Szene feiert, als gäbe es kein Morgen. Zum 25. Mal verwandelte sich der Flughafen Hildesheim-Drispenstedt in eine andere Welt: ein Meer aus Schwarz, Leder, Samt und glitzernden Accessoires. 25.000 Besucher reisten aus ganz Europa an, um an diesem besonderen Familientreffen teilzunehmen. Wer hier ankommt, taucht ein – in Musik, Gemeinschaft und das Gefühl, für ein Wochenende Teil einer eigenen Stadt zu sein.

Mitreißend und voller Power – NULL POSITIV brachten das M’era Luna-Publikum zum Beben.

Mitreißend und voller Power – NULL POSITIV brachten das M’era Luna-Publikum zum Beben. Foto: @ Richard Kirschner

Schon die Anreise am Freitag war ein Ritual für sich: lange Kolonnen Fahrzeuge auf der A7, Staulängen bis zu 20 Kilometern bildeten sich aus dem Süden, Geduld und Vorfreude in der Luft. Wer das Festivalgelände betrat, spürte sofort: Hier schlägt das Herz der Szene – laut, dunkel und voller Energie. Und das Wetter spielte perfekt mit: Sonne, blauer Himmel und Temperaturen, die zum Schwelgen auf dem Infield und zum Schlendern über den Mittelaltermarkt einluden.

Freitag: Ein Auftakt mit Gänsehaut

Als STIMMGEWALT um 20 Uhr den ersten Ton anstimmte, wurde es still – nur um Sekunden später in tosenden Applaus zu münden. Zwölf Stimmen, die bekannte Szene-Songs neu formten, mal sanft, mal bedrohlich, immer intensiv. Danach übernahmen LORD OF THE LOST die Bühne und rissen das Publikum mit in ihre Welt aus Pathos, Härte und Emotion. Sie präsentierten ihr „OPVS NOIR Vol. 1“ und ließen dennoch Platz für geliebte Klassiker. Das emotionale Highlight: „Dark Heart of the Moon“, eigens zum Jubiläum von rund 20 Musikern komponiert, wurde mit LORD OF THE LOST und Stimmgewalt performt – ein Moment, der wie ein dunkler Stern am Himmel des Festivals leuchtete. Am Spätnachmittag fand der traditionelle Crypt Talk statt – dieses Mal mit Chris Harms von Lord of the Lost und M’era Luna Chefbooker Stephan Thanscheidt.

Impressionen: Festivalfieber pur – das M’era Luna-Publikum feiert mit voller Leidenschaft und Elan.

Samstag: Schwarz trifft Vielfalt

Der Samstag war ein musikalisches Kaleidoskop: von NULL POSITIVs kompromissloser Energie über FAUNs mystische Klangwelten bis zu HEILUNGs ritueller Trance. Zwischen APOCALYPTICAs Cello-Gewittern und EISBRECHERs markanten Hymnen war für jeden Geschmack der Szene etwas dabei. Die kurzen Wege zwischen Main Stage und Club Stage machten es leicht, keine Lieblingsband zu verpassen.

Abseits der Bühnen lockten der Duft von Met, frisch gebackenem Brot und Räucherwerk. Auf dem Mittelaltermarkt flanierten Elfen, Krieger und Viktorianer nebeneinander. In der M’era Luna Academy standen Workshops hoch im Kurs, während die Gothic Fashion Show im Disco Hangar die Kreativität der Szene zum Glänzen brachte.

Impressionen: The beautiful minds of M’era Luna - Teil 01

Sonntag: Letzter Festivaltag

Der Sonntag startete kraftvoll: BEYOND BORDER, CORLYX und MANNTRA heizten früh ein, MASSIVE EGO legten tanzbare Elektronik darüber. SCHATTENMANN brachten NDH-Wucht, COPPELIUS eine Prise Theatralik im Steampunk-Stil. TORUL, CORVUS CORAX und SIERRA VEINS führten die Zuhörer in unterschiedlichste Klangwelten, während VERSENGOLD folkige Wärme ins Spiel brachte. Ab dem späteren Nachmittag sollte es dann mit Acts wie Leæther Strip, LACUNA COIL, BLUTENGEL oder AND ONE noch einmal hochkarätig weitergehen.

Stimmen aus der Menge

„So viel Schwarz auf einem Fleck hab ich schon lange nicht mehr gesehen – und die Musik geht direkt ins Herz!“, schwärmt Lars aus dem Erzgebirge. „Heuer gibt’s sogar bayerisches Fassbier – da freu ich mich wia a Schneekönig!“, lacht Ludwig aus Bamberg. Susi aus Augsburg sagt: „Es ist laut, aber schön – und die Leute sind unglaublich freundlich.“ „Wind im Gesicht, Bass in den Ohren – mehr braucht’s nicht“, meint Wiebke aus Hamburg. Claudia aus Amberg lobt die besondere Rücksichtnahme: „Hier achten die Menschen aufeinander. Das ist selten bei Festivals der Fall.“

Impressionen: The beautiful minds of M’era Luna - Teil 02

Mehr als nur Musik

Das M’era Luna ist ein Erlebnisraum: ein Ort, an dem man alte Freunde trifft, neue Gesichter kennenlernt und für zwei Tage – in diesem Jubiläumsjahr sogar drei Tage - in eine Welt eintaucht, die außerhalb der Tore kaum existiert. Nachhaltigkeit, Komfort und Liebe zum Detail prägen das Bild: „Grün Rockt!“, „Trasholution“ und 2.000 helfende Hände sorgen dafür, dass das Festival auch in Zukunft strahlen kann – so schwarz es auch ist.
Auch im Jubiläumsjahr beweist das M’era Luna, dass es weit mehr ist als ein Festival. Es ist ein Gefühl. Ein Versprechen. Und für viele der schönste Ort der Welt – zumindest für ein verlängertes Wochenende.